Abschied von Lorena - Schatten über den Tagen
12. August 2011 – 24. September 2026
Die
Tage,
an
denen
sich
eine
schwere
Unruhe
in
mir
breitmacht,
häufen
sich
zusehends.
Wenn
der
Name
einer
unserer
Pensionshöfe
auf
dem
Display
meines
Telefons
aufleuchtet,
geht
mein
Blick
mittlerweile
von
unguten
Vorahnungen
begleitet
zum
Bildschirm.
Es
sollte
nicht
so
sein,
doch
schmerzhafte
und
traurige
Nachrichten
gehören
ebenso
zum
Alltag
wie
die
guten und beglückenden Momente.
Es
war
ein
Donnerstagnachmittag
gegen
17
Uhr,
als
mich
der
Anruf
von
Markus
Bänziger
erreichte.
Mit
brüchiger
Stimme
teilte
er
mir
mit,
dass
er
Lorena,
unsere
liebenswerte
Jersey-Kuh,
leblos
auf
der
Weide
aufgefunden
hatte.
Keine
zwei
Stunden
zuvor
war
er
noch
bei
der
Herde
draussen
gewesen.
Lorena
sass
aufrecht
im
Gras,
kaute
entspannt
wieder
und
beobachtete
ruhig
das
friedliche
Treiben
um
sie
herum.
Nichts
deutete
darauf
hin,
dass
es
ihre
letzten
Augenblicke
im
Sonnenlicht
sein
würden.
Erst
sieben
Wochen
zuvor
mussten
wir
von
unserem
Lorin
Abschied
nehmen
–
und
nun
folgte
ihm
Lorena
völlig
unerwartet aus dem Leben.
Der Weg in die Freiheit
Ich
erinnere
mich
noch
gut
an
den
Tag,
an
dem
ich
der
zierlichen
Jersey-Kuhdame
zum
ersten
Mal
begegnete.
Mit
ihren
tiefdunklen,
sanften
Augen
und
ihrer
kleinen,
feinen
Gestalt
berührte
sie
mein
Herz.
Lorena
hatte
bereits
viele
Jahre
im
Dienst
der
Landwirtschaft
verbracht.
Fünf
Kälbchen
wurden
ihr
direkt
nach
der
Geburt
weggenommen
–
ein
Leben,
das
von
Ausbeutung,
Leistung
und
Schmerz
geprägt
war
und
in
dem
für
die
Bedürfnisse
eines
einzelnen
Individuums
kein
Raum
blieb.
Ganz
im
Gegenteil:
Weil
sie
aufgrund
von
Komplikationen
bei
ihrer
letzten
Geburt
unfruchtbar
wurde,
war
ihr
Schicksal
eigentlich bereits besiegelt.
Dieser
eiskalte
und
profitorientierte
Umgang
mit
empfindsamen
und
wehrlosen
Geschöpfen
ist
in
der
Nutztierindustrie
bittere,
tägliche
Realität.
Es
ist
ein
System
des
Wegschauens
–
getragen
von
einer
Gesellschaft,
die
diese
Qualen
durch
den
Konsum tierischer Produkte toleriert, und von Betrieben, die aus dem Leid fühlender Lebewesen ihren Profit schlagen.
Als
ich
Lorena
aus
diesem
dunklen
Kreislauf
der
Unmenschlichkeit
freikaufen
konnte,
ahnte
sie
noch
nicht,
dass
sich
ihr
Leben
grundlegend
zum
Guten
wenden
würde.
Auf
unserem
neuen
Pensionshof
in
St.
Gallen
lernte
sie
schnell,
dass
von
uns
keine
Forderungen
mehr
an
sie
gestellt
wurden.
Auf
den
weitläufigen
Weiden
entwickelte
sie
sich
zu
einer
eigenständigen,
ruhigen
und
tief
zufriedenen
Persönlichkeit.
Lorena
genoss
das
saftige
Gras,
die
sanfte
Wärme
der
Sonne
auf
ihrem
Fell,
den
grosszügigen, sauberen Stall und die Geborgenheit in der Herdengemeinschaft.
Lorena
war
keine
Kuh,
die
sich
lautstark
in
den
Vordergrund
drängte;
ihre
Präsenz
war
vielmehr
eine
stille,
wohltuende
Beständigkeit,
die
Ruhe
und
Zufriedenheit
ausstrahlte.
Über
viele
Jahre
hinweg
durften
wir
miterleben,
wie
sie
ihr
freies
Leben in Würde und Selbstbestimmung genoss.
Ein plötzlicher Abschied
Nun
hat
Lorena
dieses
freie
und
ungezwungene
Leben
für
immer
verlassen.
Erst
zwei
Wochen
zuvor
hatten
wir
ihr
oberes
vorderes
Kniegelenk
per
Ultraschall
untersuchen
lassen,
um
sicherzugehen,
dass
eine
neu
aufgetretene
Geschwulst
nicht
bösartig
war.
Es
handelte
sich
um
ein
weiteres
gutartiges
Lipom.
Solche
harmlosen
Fettgewebsgeschwülste
hatte
Lorena
bereits
an
einigen
Stellen
unter
der
Haut,
doch
sie
beeinträchtigten
sie
weder
in
ihrer
Bewegungsfreude
noch
in
ihrer
Lebensqualität.
Es
fällt
schwer
zu
akzeptieren,
dass
ein
Tier,
das
eben
noch
gesund
und
lebensfroh
schien,
von
einem
Augenblick
auf
den
anderen
aus
dem
Leben
gerissen
wird.
Lorena
stand
nicht
auf
unserer
Notfallliste;
sie
war
vor
Kurzem
erst
15
Jahre
alt
geworden und zeigte keinerlei Anzeichen von Schwäche oder Schmerzen.
Wir
müssen
diese
traurige
Gewissheit
hinnehmen,
auch
wenn
das
Herz
vergebens
nach
Verstehen
sucht.
Es
bleibt
der
tiefe
Trost
und
die
Hoffnung,
dass
ihr
Übergang
schnell
und
friedvoll
war
–
ohne
Angst
und
ohne
Leiden,
geborgen
auf
der
Wiese,
die für sie jahrelang Heimat und Freiheit bedeutete.
Von Herzen Danke
Ein
ganz
besonderer
und
tiefer
Dank
gilt
Lorenas
treuer
Patin
Tabea
Koch.
Sie
hat
Lorena
seit
ihrer
Befreiung
aus
der
Nutztierhaltung
im
Jahr
2019
durchgehend
begleitet.
Mit
ihrer
verlässlichen
und
wertvollen
Unterstützung
hat
sie
massgeblich dazu beigetragen, Lorena all die Jahre ein behütetes, würdevolles und sorgenfreies Leben zu ermöglichen.
Markus Bosshard – StifNu
Markus Bosshard – StifNu