StifNu - Stiftung für Nutztiere
Ich habe wann immer möglich nach Ihr gesucht, um sie zurückzuholen, doch die Abklärungen und die wenigen Angaben, die ich von Bridget hatte, reichten leider nie aus, ihren Standort zu ermitteln, sollte sie denn überhaupt noch am Leben sein.
Ich versuchte noch am gleichen Tag und die Tage darauf, mit dem Landwirt, wo Bridget eingestallt ist, telefonisch Kontakt aufzunehmen. Leider liefen auch meine Anrufe ins Leere, sodass ich beschloss, persönlich dem Landwirt auf seinem Hof meine Aufwartung zu machen.
Ich traf auf einen verständnisvollen und sehr freundlichen Landwirt, der aber doch sehr überrascht war, nachdem ich ihm die Geschichte von Bridget und meine Suche nach ihr erzählt habe und ihn abschliessend darum bat, mir Bridget doch zu verkaufen, damit ich sie wieder nach Hause mitnehmen kann, dorthin, wo sie einst geboren wurde und wo sie nie hätte weggegeben werden dürfen.
Doch genau solche Geschichten und Tragödien begegnen uns als Stiftung immer wieder in Form von Anfragen und Hilferufen von Menschen, die Tiere aus der Nutztierhaltung retten möchten und für sie einen Lebensplatz suchen. Jedes Tier, dass das Glück hat von einem Menschen gerettet werden zu können, hat seine Geschichte die es lohnt zu erzählen und auch gehört zu werden.
Vor fast Jahren, als wir in unserer Gründungsphase als Stiftung unser erstes Projekt starteten und zusammen mit einem Landwirt aus dem Kt. St. Gallen seinen Milchbetrieb in eine Kuhpension umstrukturierten, gab es unter anderem ein damals 18 Mt. junges Rind (Bridget), dass wir leider nicht wie alle anderen Tiere vom Betrieb in die neue Pension übernehmen konnten, weil schon im Vorfeld nach «bäuerlichem Handschlag» Bridget verkauft worden war.
Ich empfand schon damals diesen «Kuh-Handel» einfach nicht richtig und war traurig und auch wütend darüber, dass Bridget als einzige nicht bleiben konnte. Nur aufgrund eines traditionellen Handschlages wurde das Schicksal von einem leidensfähigen und unschuldigen Wesen besiegelt, künftig in einer ausbeuterischen Nutztierindustrie sein Leben zu verwirken, um letztendlich im Schlachthof zu enden.
Die Vorstellung und das Wissen darüber, das Bridget als liebenswertes Rind auf der Wiese noch spielend zusammen mit glücklichen und geretteten Kühen und Ochsen künftig eine leidvolle und düstere Zukunft erwartet, belastete mich stark und ging mir nie aus dem Kopf.
In all dieser Zeit bis heute habe ich nie aufgehört, an Bridget zu denken und mich an sie zu erinnern. Einige schlaflose Nächte habe ich durchlebt, immer mit diesen schrecklichen Bildern vor Augen, von industrieller Ausbeutung und dem seelischen Schmerz den sie immer wieder durchleben muss, wenn man ihr jeweils ihr Kälbchen schon kurz nach der Geburt entreisst und ihr so nie die Möglichkeit gib, Mutter sein zu dürfen.
Erst vor kurzem erhielt ich Zugang zu der Tierdatenbank für Nutztiere und mit den mir vorliegenden Angaben konnte ich endlich den aktuellen Aufenthaltsort von Bridget herausfinden. Ich war sehr erleichtert zu lesen, dass Bridget überhaupt noch lebt und gleichzeitig sehr traurig darüber, dass sie in dieser für sie schlimmen Zeit 3 Kälber auf die Welt brachte und dass diese alle bereits im Kindesalter von 6 Mt. geschlachtet wurden.
Am Samstag, den 11. Dezember 2021 um 15:06 Uhr begegnete ich Bridget nach 3½ Jahren endlich wieder.
Die junge und lebenslustige Bridget von damals ist heute ein ruhiges und zurückhaltendes, aber immer noch ein unglaublich liebenswertes Wesen. Gezeichnet von mehr als 3 Jahren Ausbeu- tung, eine Mutter von 3 Kindern, die sie nie umsorgen durfte weil sie ihr jeweils nach der Geburt weggenommen wurden und die alle nicht mehr Leben, stand sie vor mir und in ihr wächst bereits ein 4. Kind, wie mir später der Landwirt mitteilte.
Zusammen mit 8 anderen bedauernswerten Kühen stand sie nun nach so langer Zeit vor mir, angebunden in einem kleinen, niedrigen aber recht sauberen Anbinde-Stall.
Ich musste meine Gefühle und Emotionen in diesem für mich glücklichsten Moment Bridget endlich gefunden zu haben unter- drücken, da diese aufgrund meiner Erfahrungen bei einer späteren Kaufverhandlung dem Landwirt, möglicherweise was die Höhe des Kaufpreises betrifft, in die Hände gespielt hätten.
Nach Rücksprache mit seiner Frau gab mir der Landwirt wenige Tage danach die Zusage, mir Bridget zu verkaufen. Der Preis den er verlangte, lag sicherlich einiges über dem, was ich mir vorgestellt habe, doch ehrlich, es war mit egal ich hätte auch mehr für sie bezahlt, auf keinen Fall wollte ich Bridget wieder verlieren.
Natürlich sind diese für uns nicht budgetierten Ausgaben für Bridget und für die wiederkehrenden Pensionskosten für sie und später auch für ihr Kälbchen, dass sie nun endlich auch behalten und umsorgen kann, eine zusätzliche Belastung.
Bei Bridget betrifft es uns als Stiftung in diesem einen Fall sehr speziell und es ist für uns deshalb mehr als eine Selbstverständlich- keit dieser Geschichte, aber haupt- sächlich diesen zwei wunderbaren Leben, Bridget und ihrem noch ungeborenen Kälbchen ein glück- liches Ende zu schenken.
Das 1. Kälbchen mänl. von Bridget.Geboren am 27.11.2018Geschlachtet am 21.5.2019 Bild wurde uns freundlicherweise vom Landwirt zur Verfügung gestellt. Das 3. Kälbchen weibl. von Bridget.Geboren am 15.12.2020Geschlachtet am 18.5.2021 Bild wurde uns freundlicherweise vom Landwirt zur Verfügung gestellt. 2. Kälbchen weibl. von Bridget.Geboren am 23.12.2019Geschlachtet am 26.5.2020 Es steht kein Bild zur Verfügung.
Markus Bosshard - StifNu

Dezember 2021

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Markus Bosshard - StifNu
Die Odyssee von Bridget