Wenn die Liebe Grenzen sprengt: Das stolze und freie Leben unserer Nami
8. Dezember 2013 – 24. Februar 2018
Eine Begegnung, die alles veränderte
Nami
(früher
Oxana)
war
ein
ganz
besonderes,
aussergewöhnliches
und
wunderbares
Wesen.
Sie
war
das
zweite
Kalb,
das
ich
in
meinem
Leben
retten
durfte,
und
sie
hat
vom
ersten
Augenblick
an
einen
tiefen,
unvergesslichen
Eindruck
hinterlassen.
Nami
war
eine
echte
Kämpferin
–
ein
furchtloses,
neugieriges,
vorwitziges
und
unglaublich
eigenständiges
Wesen,
das
unser
aller Leben unmessbar bereichert hat.
Unsere
gemeinsame
Geschichte
begann
im
Winter
2014
bei
meinem
Besuch
auf
dem
Hof
einer
Landwirtsfamilie
in
Zünikon
(ZH),
wo
ich
drei
Jahre
zuvor
bereits
das
Stierkälbchen
Leo
gerettet
hatte.
Ich
ging
damals
mit
der
Absicht
dorthin,
Leos
Mutterkuh
herauszukaufen.
Leider
musste
sie
jedoch
schon
vor
Monaten
aufgrund
eines
Hofunfalles
eingeschläfert
werden,
wie
mir
der
Landwirt
berichtete.
Bei
der
weiteren
Unterhaltung
fiel
mir
die
damals
neun
Wochen
alte
Nami
auf:
Im
Vergleich
zu dem gleichaltrigen Kalb im Zweieriglu war sie um einiges grösser und kräftiger.
Doch
die
Nachricht,
die
ich
vom
Landwirt
erhielt,
war
traurig:
Nami
sei
für
die
spätere
Milchproduktion
nicht
geeignet.
In
der
Nutztierindustrie
bedeutete
dies
ihr
baldiges
Todesurteil.
Es
gab
einen
tieferen
Grund,
warum
ich
Nami
an
diesem
Tag
begegnen
sollte.
Der
Landwirt
und
ich
wurden
uns
schnell
einig,
und
nur
vier
Tage
später
befand
sie
sich
bereits
im
Tierspital
Zürich
für
einen
allgemeinen
Gesundheits-Check.
Von
diesem
allerersten
Moment
an
stand
mir
ein
ganz
besonderer
Mensch
zur
Seite:
Carmen,
eine
Tierärztin,
übernahm
von
Anfang
an
die
Patenschaft
für
das
kleine
Kalb,
gab
ihm
den
bedeutsamen
Namen und kümmerte sich fortan mit unendlich viel Herz um ihre Nami.
Die bangen Wochen im Tierspital und die Diagnose
Im
Tierspital
wendete
sich
das
Blatt
dramatisch.
Die
Untersuchungen
zogen
sich
in
die
Länge,
und
schliesslich
musste
sogar
ein
Herzspezialist
aus
der
Pferdemedizin
hinzugezogen
werden,
da
die
Ultraschallbilder
nichts
Gutes
verhiessen.
Die
Diagnose
war
niederschmetternd:
Ein
etwa
3,5
cm
grosses
Loch
in
der
Herzscheidewand
verursachte
zischende
Herzgeräusche.
Die
Ärzte
gaben
Nami
nicht
mehr
lange
zu
leben
–
es
war
von
Tagen,
vielleicht
wenigen
Wochen
die
Rede.
In
dieser
bangen
und
schweren
Zeit
war
Carmen
ein
unersetzlicher
Rückhalt.
Sie
war
unglaublich
oft
mit
mir
im
Tierspital,
um
Nami
zu
besuchen
und ihr beizustehen.
Dino: Ein kurzes Glück im Schatten des Schicksals
Während
dieser
aufwühlenden
Zeit
im
März
2014
brachten
wir
Nami
mit
einem
anderen
Kälbchen
namens
Dino
zusammen,
damit die beiden ihre Tage nicht gänzlich alleine in ihren Boxen verbringen mussten.
Nach
Rücksprache
mit
den
verantwortlichen
Tierärzten
brachte
ich
Nami
und
Dino
so
oft
es
nur
ging
–
fast
jeden
Tag
nach
der
Arbeit – in ein mit Holzschnitzeln eingestreutes Aussengehege. Dort konnten sich die beiden nach Lust und Laune austoben.
Es
war
zutiefst
rührend
zu
sehen,
wie
Nami
und
Dino
diese
Freiheiten
genossen,
herumsprangen,
hüpften
und
sich
einfach
nur
wohlfühlten.
Für
den
kleinen
Dino
war
diese
Zeit
der
absolute
Höhepunkt
seines
viel
zu
kurzen
Lebens.
Er
war
ein
Brown-
Swiss-Kälbchen,
etwa
im
gleichen
Alter
wie
Nami,
und
seine
Lebensgeschichte
war
so
traurig,
dass
man
es
kaum
fassen
kann.
Aufgrund
eines
Gendefektes,
der
durch
Inzucht
zustande
kam,
war
er
aus
der
Zuchtreihe
entfernt
worden.
Seine
inneren
Organe
entwickelten
sich
teilweise
nicht
natürlich;
Missbildungen,
Zellwucherungen
und
chronische
Entzündungen
waren
die
traurigen
Folgen.
Ich
wollte
ihn
unbedingt
übernehmen
und
retten,
doch
Dino
hatte
aufgrund
seines
schlechten,
gesundheitlichen
Zustandes
keine
Überlebenschance.
Seine
Tage
waren
gezählt,
solange
die
Untersuchungen
an
ihm
noch
nicht abgeschlossen waren.
Es
waren
damals
unheimlich
aufwühlende
und
auch
schmerzhafte
Wochen.
Zu
wissen,
dass
sowohl
Nami
als
auch
Dino
schon
bald
sterben
sollten,
und
ihnen
dennoch
die
verbleibende
Zeit
so
schön
und
unbeschwert
wie
möglich
machen
zu
wollen,
zerreisst
einem
das
Herz.
In
solchen
Momenten
überkommen
mich
Wut
und
Hilflosigkeit
über
das
würdelose
Vorgehen
einer
seelenlosen Industrie, die mit dem Leben unschuldiger und wehrloser Tiere ihren Profit macht.
Der
Tag
kam,
an
dem
ich
ins
Tierspital
kam
und
Dinos
Box
leer
war.
Er
war
von
uns
gegangen.
Es
machte
mich
unendlich
traurig,
dass
ich
mich
nicht
einmal
mehr
von
ihm
verabschieden
konnte.
So
nahm
ich
Nami
an
diesem
Tag
alleine
mit
nach
draussen in das Gehege, wo noch Tage zuvor die beiden ihre pure Lebensfreude geteilt hatten.
Neue Freundschaft und der Weg in die Freiheit
Im
April
2014
brachte
ich
ein
weiteres
gerettetes
Kälbchen
namens
Sora
(früher
Sangria)
für
eine
gesundheitliche
Untersuchung
ins
Tierspital.
Ich
veranlasste,
dass
Sora
und
Nami
sich
eine
Box
teilten,
damit
keines
der
Kälber
alleine
sein
musste.
Wieder
ging
ich
täglich
nach
der
Arbeit
zu
ihnen
und
führte
sie
ins
Aussengehege,
wo
sie
sich
bewegen
und
miteinander spielen konnten.
Nami
strafte
alle
medizinischen
Prognosen
Lügen.
Als
sich
ihr
Zustand
auch
nach
Wochen
nicht
verschlechterte
und
Sora
mittlerweile
gesund
war,
trafen
wir
die
Entscheidung,
die
beiden
zusammen
in
ihr
neues
Zuhause
im
Kanton
Thurgau
–
auf
den
Pensionshof
Stall-Happy
–
zu
holen.
Nami
sollte
die
Zeit,
die
ihr
auf
dieser
Erde
noch
blieb,
mit
ihrer
neuen
Freundin
Sora auf grünen Weiden und unter freiem Himmel verbringen dürfen.
Auch
im
Stall-Happy
blieb
Carmen
ein
fester
Teil
von
Namis
und
Soras
Leben.
Sie
begleitete
mich
stets
auf
den
Fahrten,
um
nach
ihren
«Mädchen»
zu
sehen.
Nami
und
Sora
wurden
unzertrennlich
und
erlebten
unzählige
schöne
Momente.
Obwohl
Carmen
und
mir
stets
bewusst
war,
dass
uns
eines
Tages
der
Abschied
von
Nami
bevorstehen
würde,
genoss
sie
ihr
Leben
in
vollen
Zügen.
Allen
Widrigkeiten
zum
Trotz
schenkte
Nami
uns
vier
wunderschöne
Jahre.
Bis
zu
ihrem
4.
Lebensjahr
ging
es
ihr gesundheitlich gut, und sie führte in der Herdengemeinschaft ein erfülltes, artgerechtes und freies Leben.
Der letzte Abschied
Im
Februar
2018
ging
dann
leider
alles
sehr
schnell.
Wir
spürten,
dass
ihre
Kräfte
schwanden.
Aufgrund
des
schweren
Herzfehlers
wurden
ihre
Organe
nicht
mehr
ausreichend
mit
Sauerstoff
versorgt.
Nami
wurde
zusehends
schwächer,
ihre
Blutwerte
verschlechterten
sich,
und
ihr
einst
so
stolzes,
eigenständiges
Erscheinungsbild
wich
einer
stillen
Zurückhaltung
und Fressunlust. Uns wurde schmerzlich bewusst, dass die Zeit des Abschieds nun endgültig gekommen war.
Begleitet
von
einer
Tierärztin
durfte
Nami
im
Stall
friedlich
und
für
immer
einschlafen.
Im
Beisein
ihrer
geliebten
Freundin
Sora
und
der
gesamten
Herde
nahmen
wir
Abschied
von
einem
aussergewöhnlichen
und
liebenswerten
Geschöpf.
Nami
durfte
ein
erfülltes
Leben
führen.
Patin
Carmen
und
ich
werden
sie
niemals
vergessen.
Wir
sind
zutiefst
glücklich,
dankbar
und
unendlich stolz darauf, dass wir diesem grossartigen Wesen dieses geschenkte Leben ermöglichen durften.
In dankbarer Erinnerung
Von
ganzem
Herzen
danke
ich
Carmen
für
ihre
grossherzige,
wertvolle
und
treue
Unterstützung,
die
sie
Nami
zu
Lebzeiten
hat
zukommen lassen.
Auch
von
Herzen
danke
ich
Roland
Hugentobler
vom
Stall-Happy,
der
mit
Herz
und
Verstand
in
all
den
Jahren
allen
seinen
ihm anvertrauten Tieren mit Fürsorge und grossem Engagement ein behütetes und schönes Leben ermöglichte.
Markus Bosshard – StifNu
– Ruhe in Frieden, allerliebste Nami –
Im Licht der Ewigkeit
Wo keine Zäune Grenzen weisen, und keine Uhr die Zeit mehr zählt,
darf eure Seele frei nun reisen, erlöst von Lasten dieser Welt.
Nami, im Herzen stolz und wild, und Dino, sanft im Erdenlicht,
ihr habt mit Lebensmut erfüllt, was keine Industrie zerbricht.
Ihr springt nun über gold’ne Auen, durch lichten Raum,
ganz ohne Schmerz, durftet im Leid einander schauen,
und schenktet Trost von Herz zu Herz.
Die Spuren, die ihr uns gegeben, die Liebe, die für immer bleibt,
ihr lebt in unserm Tun und Leben, bis an das Ende aller Zeit.